„Joker“

Echo-online

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16.10.2019 22:15

Hat schlecht lachen: Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) leidet an zwanghaften Heiterkeitsausbrüchen, was seiner Laune nicht zuträglich ist. (Foto: Warner)

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Dieser Joker ist nicht ins Säurebad gefallen. Auch hat ihn nicht der Vater mit dem Messer im Gesicht traktiert. Das Lachen, das ihn entstellt, kommt zwanghaft von innen. Es ist ein neurotisches Glucksen, Würgen und Husten, das ihn schüttelt, bis es schmerzt. Als der Joker, den wir aus den „Batman“-Comics kennen, noch kein psychopathischer Serienkiller ist, heißt er im neuen Film, der seinen Künstlernamen trägt, Arthur Fleck, ist ein erfolgloser Stand-up-Comedian und Gelegenheitsclown, der seine Traumata zum Therapeuten trägt und dort Pillen gegen seine Neurose erhält.
Joaquin Phoenix (44) hat sich das Fleisch von den Rippen gehungert und seinen Geist in den Wahn dieser kranken Kreatur versenkt. Es war nicht zuletzt diese bestürzende Hingabe an einen Charakter, die dem Film von Regisseur und Ko-Autor Todd Philipps (bekannt für Komödien wie „Hangover“) in Venedig den Goldenen Löwen eintrug. Zwar erzählt er von der Geburt eines schillernden Schurken aus der Welt der DC-Comics, doch hat seine Geschichte mit all den anderen Epen aus Gotham City nicht viel zu tun.
Der grandios groteske Showman Joker, den Jack Nicholson 1989 spielte, ist weit weg. Und auch die soghaft nihilistische Verkörperung, die Heath Ledger 2008 postum den Oscar für die beste Nebenrolle in „The Dark Knight“ einbrachte, führt in eine andere Richtung. Wobei viel dafür spricht, dass zehn Jahre später auch Joaquin Phoenix den Oscar kriegen wird – dann aber für die beste Hauptrolle.
VON ANFANG AN
Der Joker war bereits im ersten „Batman“-Heft 1940 dabei. Die Figur entwickelte sich zu einem eher harmlosen Quälgeist, wurde aber in den Siebzigern als Killer immer irrwitziger. Cesar Romero im Fernsehen der Sechziger sowie im Kino Jack Nicholson (1989), Heath Ledger (2008) und Jared Leto („Suicide Squad“, 2016) spielten die Schurkenrolle. (sb)
Nein, dieser Arthur Fleck ist eher so ein armer Irrer wie Travis Bickle, der „Taxi Driver“, den Robert DeNiro 1976 verkörperte. Joker spielt in jenen Jahren in Gotham, das immer schon eine Chiffre für New York war und hier in verwaschenen Farben auch so ausschaut, als wäre es damals von Martin Scorsese abgefilmt worden. Die Stadt ist übersät mit Müll und Schmierereien. Im Gewimmel der Straßen brütet Gewalt. Gleich zu Anfang klauen Jungs dem Weißclown Arthur seine Werbetafel, mit der er sich vor einem Laden zum Hampelmann macht. In einer Seitenstraße schlagen sie ihm das Schild über den Kopf. Später wird er es bezahlen müssen, weil man ihm nicht glaubt. Es ist zum Heulen, doch Arthur Fleck muss unkontrolliert lachen. In der U-Bahn gerät er deshalb an drei Anzugträger, die ihn drangsalieren. Da passiert es: Ein Clown sieht rot. Er erschießt seine Peiniger, und bald wimmelt es in der Stadt von Menschen mit Clownsmasken, die nach Klassenkampf gegen die Reichen gieren. Der Hass gegen die Eliten ist geweckt.
Arthur Fleck wird ihr anonymes Idol, dabei ist er doch ein Niemand, der so gerne Entertainer wäre. Wohnt noch immer bei seiner pflegebedürftigen Mutter (Frances Conroy), die ihm die einzige Frau im Leben ist, bis Nachbarin Sophie (Zazie Beetz) sein Interesse weckt. Im Fernsehen folgt er der Talkshow seines Idols Murray Franklin (Robert DeNiro – hier grüßt auch der Klassiker „King of Comedy“), den er ebenso väterlich verehrt, wie er den Magnaten und Mäzen Thomas Wayne (Brett Cullen) verzweifelt für seinen Vater hält.
Joker, der Erzfeind von Batman, als dessen heimlicher Halbbruder? Das muss Irrsinn sein, weiß der Zuschauer und wünscht Arthur dennoch den Papa, den er nicht hatte. Lange bevor das Chaos in dieser Geschichte anfängt zu wüten, verläuft sich der Mann, der Joker werden wird, im Wahn seiner Sehnsüchte. Wenn der Zuschauer schließlich das wahre Elend erkennt, ist auch das Gotham der späten Siebziger unübersehbar ein Moloch von heute – nicht die Stadt von Batman, alias Bruce Wayne, sondern die von Donald Trump.
Thomas Wayne, der hier kein gütiger Gönner ist, sondern die Armen verhöhnt, will Bürgermeister werden. Für eine Sekunde ist auf dem Nummernschild eines Polizeiwagens am Ende „Industry First“ zu lesen. Bei der Sozialarbeit aber wird gekürzt, Therapie und Medizin für Arthur Fleck spart sich der Staat – und erschafft so den Joker.
Für eine Figur, die aus einem alten Comic kommt, ist die politische Anarchie, die sie hier entfacht bestürzend aktuell. Die Populärkultur derart wirkmächtig anzureichern, gelingt im Zweifel dann doch eben nur Hollywood. Zuletzt leider kaum noch. 2019 war bislang ein Kinojahr ohne Ereignisse – bis der Joker kam.
ОРИГІНАЛЬНИЙ ПОСТ

echo-online entertainment додав (ла) Curtis Morrison

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