Baltimore Trumps schmutziges Kalkül

Sueddeutsche

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30 липня 2019 16:12

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Baltimore Trumps schmutziges Kalkül

Der Verfall ist nicht zu übersehen und die Mordrate in Baltimore ist eine der höchsten in den USA: Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, führen Aktivisten in der Ostküstenstadt an Orte, an denen jüngst Menschen umgebracht wurden.

(Foto: Spencer Platt/AFP)

Die Schmähungen des US-Präsidenten gegen den Wahlkreis des schwarzen Bürgerrechtlers Elijah Cummings folgen einem Muster. Die Menschen dort wehren sich - und Trumps Schwiegersohn Kushner hat mit Anteil am Verfall.

Von Thorsten Denkler, New York

Der US-Präsident scheint Gefallen daran gefunden zu haben, seine Gegner mit rassistischen Kommentaren gegen sich aufzustacheln. Kaum zwei Wochen ist es her, dass er vier weiblichen demokratischen Kongressabgeordneten mit puertoricanischen, afroamerikanischen, arabischen und somalischen Wurzeln empfahl, das Land zu verlassen, wenn es ihnen in den USA nicht gefalle. Besonders der Abgeordneten Ilhan Omar legte er nahe, lieber in ihrem "von Kriminalität und Korruption verseuchten" Geburtsland Somalia für Ordnung zu sorgen, als ihn und die US-Regierung zu kritisieren. Die Empörung dauerte eine gute Woche an.

Am Wochenende nahm sich Trump den Kongressabgeordneten Elijah Cummings vor. Cummings ist auch Demokrat, vor allem aber ein angesehener schwarzer Bürgerrechtler, der seit 1996 im Repräsentantenhaus sitzt. Und natürlich kritisiert er Trump regelmäßig, unter anderem für seine Grenzpolitik. Was ja als Oppositionspolitiker auch seine Aufgabe ist.

Attacke bei Twitter

Trump nennt Cummings einen "Rassisten"

Der US-Präsident legt gegen den afroamerikanischen Abgeordneten nach, den er am Samstag wüst beschimpfte. Den Demokraten wirft er vor, mit Rassismus Politik zu machen.

Trump erklärte nun auf Twitter, Cummings sei ein "brutaler Schikanierer", der die großartigen Männer und Frauen der Grenzschutzbehörden beschimpfe, während es doch in dessen Wahlkreis in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland viel schlimmer und viel gefährlicher zugehe als an der südlichen Grenze. Cummings Wahlkreis sei ein "ekelerregender, von Ratten und anderen Nagern verseuchter Saustall". Wenn Cummings dort mehr Zeit verbringen würde, könnte er vielleicht helfen, diesen "gefährlichen und dreckigen Ort aufzuräumen", in dem kein Mensch leben wollen würde.

"Verseucht", sagt der Moderator, "das klingt wie Ungeziefer, unmenschlich"

Wieder hat Trump das Wort "infested", verseucht, benutzt. Selbst auf seinem Lieblingssender Fox News hat Moderator Chris Wallace erkannt, dass dahinter ein Muster steckt. Kurz vor der Amtseinführung habe Trump den Wahlkreis des schwarzen Bürgerrechtlers John Lewis als "kriminalitätsverseucht" bezeichnet, kürzlich dann das Herkunftsland von Ilhan Omar, jetzt den Wahlkreis von Cummings. "Verseucht", wiederholt Wallace das Wort - "das klingt wie Ungeziefer, unmenschlich." Sein Gegenüber in der Show ist Trumps Stabschef im Weißen Haus, Mick Mulvaney, der entgegnet, Wallace verbringe zu viel Zeit damit, zwischen den Zeilen zu lesen. Wallace widerspricht, er lese nicht zwischen den Zeilen. Er lese die Zeilen.

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Die Empörung ist groß. Trump wird nicht nur von der demokratischen Sprecherin des Repräsentantenhauses Rassismus vorgeworfen. Doch Trump dreht erneut den Spieß um und erklärt Cummings zum Rassisten. Es sei ja immer so, dass die Demokraten die "Rassismus-Karte" zögen, wenn er berechtigte Kritik äußere.

Ob die Kritik so berechtigt ist, ist allerdings die Frage. Teile von Baltimore gehören sicher nicht zu den Gegenden, in den reiche Leute wie Trump sich wohlfühlen würden. Dennoch gibt es eben dort offenbar viele Menschen, denen es gut geht. Auf Twitter haben sich Tausende von ihnen unter den Hashtags #WeAreBaltimore und #WhitePeopleAgainstRacism gemeldet, die Trumps Kritik zurückweisen. Und um ein paar Dinge dort zu ändern, die nicht gut laufen, müsste Trump im Weißen Haus nur ein paar Türen weiter an die Bürotür seines Schwiegersohnes Jared Kushner klopfen, der dort einer seiner wichtigsten Berater ist.

Am Sonntag bemerkte John Olszewski Jr., ein führender Lokalpolitiker in Baltimore, dass es nicht einer gewissen Ironie entbehre, wenn ausgerechnet Trump auf manche Zustände in Baltimore verweise, da doch sein Schwiegersohn einen gewissen Beitrag zu diesen Zuständen leiste, über die der Präsident so besorgt sei.

Kushners Immobilienfirma Kushner Companies gehören in Baltimore mehr als 6000 Wohnungen in 17 Wohnkomplexen. Häuser, in denen vor allem arme und meist schwarze Menschen leben. Seit 2013 ist die Firma in Maryland aktiv. Jährliche Einnahmen: etwa 90 Millionen Dollar. 2017 haben Vertreter des Baltimore County Daten veröffentlicht, wonach Kushners Firma verantwortlich sei für mehr als 200 Regelverletzungen innerhalb eines Jahres. Reparaturen seien wenn überhaupt erst angegangen worden, nachdem das County mit Bußgeld gedroht habe. In einigen Fällen habe die Firma lieber das Verwarngeld bezahlt, als Handwerker zu schicken.

Die New York Times berichtete, dass sich Kushners Mieter vergeblich über Mäuse, Schimmelpilz und Maden beschwert hätten. Ein privater Ermittler, der sich Kushners Hausverwaltung in Baltimore näher angesehen hatte, kam zu dem Schluss, dass dort "Slumlords" am Werk seien, mit anderen Worten: Ausbeuter.

Shannon Darrow von der Mieterschutzorganisation Fair Housing Action Center of Maryland sagte, Kushner habe im Kern dazu beigetragen, ein "Rennen nach unten" zu organisieren, wenn es darum gehe, Häuser und Wohnungen instand zu halten. Kushner sei in dieses Rennen "sehr, sehr stark verwickelt".

Für die demokratischen Präsidentschaftsbewerber könnte das eine Vorlage sein für die Fernsehdebatten an diesem Dienstag und Mittwoch. Das gibt ihnen Gelegenheit, Trumps Rassismus und Bigotterie bloßzustellen. Trump wird das wenig stören. Er will die Agenda setzen, um jeden Preis. Es ist ihm erneut gelungen.

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