Vorstellung des neuen Leseromans

Lauterbacher-anzeiger

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21 October 2018 10:57

Vorstellung des neuen Leseromans

Von Manuela Falk
vor 1 Woche

"Miss Gladys und ihr Astronaut": Neuer Leseroman des Briten David M. Barnett ist ab Freitag im Gießener Anzeiger zu lesen

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Der unleidliche Astronaut Thomas Major ist alleine auf dem Weg zum Roten Planeten. Warum? Um weit weg von jeder Menschenseele zu sein. Doch dann gerät er an die knuffige Seniorin Miss Gladys.

GIESSEN - Er ist ein richtiges Ekelpaket, sie dagegen die Liebenswürdigkeit in Person. "Miss Gladys und ihr Astronaut" von David M. Barnett ist der neue Fortsetzungsroman im Gießener Anzeiger. Es ist ein Buch fürs Herz, aber auch für Fans von Großbritannien sowie Musikliebhaber, insbesondere von David Bowie.
Die Geschichte dreht sich einerseits um die knuffige Miss Gladys Ormerod und ihre Familie, wohnhaft in Nordengland, sowie Thomas Major, gerade mit einem Spaceshuttle auf dem Weg, um den Mars zu besiedeln. Thomas Major,von den Medien Major Tom genannt, sammelt aber nicht gerade Sympathiepunkte bei der Bevölkerung und erst recht nicht bei der PR-Abteilung der BriSpA, der British Space Agency. Kleine Mädchen bringt er zum Weinen, sein Shuttle nennt er lieber "Schrottnik-1" statt "Ares-1". Und bei dem prestigeträchtigen Angebot, "Space Oddity" alias "Major Tom" von David Bowie im Weltall zu singen, wird er sogleich ausfällig. Seine Motivation, als erster Mensch den Mars zu besiedeln? Weit weg von jeder Menschenseele sein.
Daneben gibt es Gladys Ormerod, eine zuckersüße Dame, die auf die 71 zugeht. Zwar kann sie noch ein Handy bedienen und sogar Recherchen mit Google betreiben, dennoch steht es um ihren geistigen Zustand nicht allzu gut: Die Demenz schreitet fort. Da wird auch schon mal das Telefon in den Kühlschrank gelegt und die Butter an das Ladekabel angeschlossen. Sie ist dennoch herzensgut und sieht alles durch die rosarote Brille - obwohl es nicht den geringsten Grund dazu gibt. Sie muss sich nämlich auch um ihre beiden Enkelkinder kümmern: den zehnjährigen James und die fünfzehnjährige Ellie.
Deren Vater sitzt im Knast, weil er "ein Dummkopf" ist. Die Mutter lebt auch nicht mehr. Doch eigentlich ist Gladys gar nicht mehr dazu in der Lage, sich um die Kinder zu kümmern. Zwar richtete der Vater vor seinem Haftantritt noch einen Dauerauftrag über Gladys' Konto ein, damit zumindest die Miete geregelt ist, doch das Geld geht ihr verloren und die Zwangsräumung steht kurz bevor.
Ellie, die Enkeltochter, kann das nicht zulassen. Schon zuvor hat sie Tag und Nacht gearbeitet und ist nebenbei noch in die Schule gegangen. Sie schärft Gladys täglich ein, nicht vor die Tür zu gehen oder mit anderen zu reden, da sie befürchtet, dass die Familie vom Sozialamt auseinandergerissen wird: Sie und ihr Bruder in Pflegefamilien und Gladys, genannt "Nan", abgeschoben in ein Altenheim. Das kann sie nicht zulassen! Sie tut alles dafür, damit nichts von ihrer familiären Situation bekannt wird. Die ganze Last, liegt nun auf ihren Schultern. Selbst Gladys fällt auf: "Immer ernst. Immer am Rennen und ernst." Kein Wunder, dass ihr Hobby ist, glücklichen Pärchen im Park düstere Betrugsgeschichten anzudichten.
Gespräche im All
Ein Hoffnungsschimmer erstrahlt dann in Form des Astronauten. Da seine Videoverbindung mit der BriSpA gestört ist, die diese auf ein ganz gewöhnliches Handynetz aus, solange das Spaceshuttle noch in der Nähe ist. Als Thomas die alte Nummer seiner Exfrau wählt, landet er bei Gladys. Freudestrahlend berichtet sie den Kindern, dass sie mit dem Astronauten aus dem Fernsehen telefoniert hat. James kann das nicht glauben und ruft Thomas seinerseits an - und da trifft Naturwissenschaftler auf Naturwissenschaftler. James bietet sich nämlich die Chance, an einem naturwissenschaftlichen Wettbewerb teilzunehmen, auf den ein Preisgeld ausgesetzt ist, dass natürlich die Zwangsräumung verhindern würde. Doch dann bekommt die BriSpA mit, dass Thomas Privatgespräche führt - und die sind bei keinem Arbeitgeber gern gesehen. Es scheint, die Sache fliegt auf. Thomas wird jedoch ein Angebot gemacht, wie er die Familie doch noch retten kann.
Das ist schon erstaunlich, denn gerade zu Beginn hegt auch der Leser eine große Abneigung gegen Thomas. Er ist einfach ein Griesgram und Ekelpaket. Dass der Leser nicht schon am Anfang der Lektüre aussteigt, ist nur der süßen Gladys zu verdanken, die scheinbar kein Wässerchen trüben kann. Im Verlauf des Romans wird allerdings deutlich, dass Thomas nicht ohne Grund so menschenfeindlich ist. Er hatte kein leichtes Leben und musste viele Tiefschläge hinnehmen. Es wird nachvollziehbar, weshalb er der Menschheit den Rücken kehren will. Doch durch die Gespräche mit Gladys und James wird er immer umgänglicher und es wird deutlich: Im Grunde genommen ist er doch ein lieber Kerl.
Dass das Buch in Großbritannien geschrieben wurde, schimmert immer wieder durch. Statt Kaffee wird dem Besuch grundsätzlich Tee angeboten, Nordengländer scheinen einen unberechenbaren Ruf zu haben und selbst bei dem Gespräch mit dem Astronauten wird über das Wetter geredet: "'Die NASA hat uns mitgeteilt, dass es in ihrer Nähe ein paar Mikrometeoritenregen gab, aber das sollte Ihnen keine Probleme bereiten' - Kleiner Smalltalk übers Wetter, sogar im All. Britischer geht's wohl kaum. 'Ich wusste, ich hätte meinen Regenschirm einpacken sollen.'"
Zudem ist der Roman auch eine kleine Hommage an David Bowie. Immer wieder werden Songs von ihm aufgegriffen, nicht nur "Space Oddity". Hinzu kommt, dass Thomas Major auch Major Tom genannt wird, der in diesem Song die Hauptrolle spielt. Und nicht nur das: Thomas wird ausgerechnet an dem Tag zum Astronauten, als alle Zeitungen mit der Schlagzeile aufmachen: "David Bowie ist tot".
Ein lesenswertes Buch also, dass ab morgen Tag für Tag im Anzeiger zu lesen sein wird.
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lauterbacher-anzeiger entertainment added by Etienne Spence

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