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06 April 2019 10:54

Doch aus Capital Bras Botschaft spricht nicht die Sorge um den animalischen, sondern um den männlichen Zusammenhalt. Bushido hat um Hilfe gebeten und damit den Männerbund verraten, ob Hip-Hop, Clan oder Sportverein spielt keine Rolle. Männer können sehr streng sein. Sie lassen sich ja noch nicht einmal helfen, wenn sie nicht wissen, wo es lang geht.

Fler, der deutscheste der Deutschrapper, beobachtet Bushidos Missachtung der Regeln traditioneller Männlichkeit schon lange. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verriet er kürzlich: „Er war Anfang des letzten Jahrzehnts nicht Manns genug, seine Probleme selbst zu regeln.“

Also, statt sich wie jeder gute Mann in der Rangordnung des Rudels selbst nach oben zu boxen, hat Bushido professionelle Boxer (die Abou-Chakers) angeheuert, die das für ihn übernehmen. Das ist einerseits ganz schön dumm, aber irgendwie auch sehr modern: Bushido hat seine Männlichkeit outgesourct.

Mannsein ist bekanntermaßen sehr gefährlich. Herbert Grönemeyer hat die Risiken und Nebenwirkungen schon Mitte der Achtziger aufgezählt: heimliches Weinen, Verletzlichkeit, ständiges Lügen, Herzinfarkt et cetera.

Bei männlichen Rappern ist das ja alles noch viel schlimmer. Warum sollte sie also nicht jemanden dafür bezahlen, diese Risiken zu übernehmen. Hip-Hop ist schließlich Kapitalismus und Bushido einer der Bestverdiener. Jetzt mit der Polizei zusammenzuarbeiten verringert seine Kosten sogar noch weiter.

Fast ist man geneigt, in Bushido den modernen Mann schlechthin zu sehen, aber dann ist er doch nur der Mann im Spätkapitalismus. Ausgerechnet Fler scheint da schon wesentlich progressiver zu sein. Am Schluss seines „FAZ“-Interviews hat er eine Vision: „Es wäre schön, wenn es in Zukunft wieder mehr um Kunst und Musik geht. Und weniger um Geld, Macht und Unterdrückung.“ Ja, weniger Macht und Unterdrückung. Das wäre schön.

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welt pop added by Josiah Price

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