Express

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20 October 2018 12:58

Köln -

Er arbeitet dort, wo sich vor ihm kein Deutscher hin wagte: „Tatort“-Kommissar Felix Klare (40) drehte mit „Liebe auf Persisch“ (ARD, Freitag, 20.15 Uhr) den ersten deutschen Film im Iran – mit kleinem Team, Günther Maria Halmer (75) als Film-Vater und vielen Einheimischen. Es wurde sein größtes Film-Abenteuer – wie er uns im Interview berichtete.

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„Man macht im Iran natürlich nicht alltäglich Urlaub“, betont Klare, der beim „Tatort“ ja selten mal über Schwaben hinaus kommt.

„Aber das war eine schönere Erfahrung als ich gedacht hätte. Wir waren viel in Teheran und in Kashan, zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt. Dort war es konservativer und religiöser. Danach waren wir noch in der Wüste unterwegs.

Aber auch durch das Team haben wir viel vom Land gesehen und kennengelernt. Von 80 Leuten waren vielleicht sechs Deutsche dabei. Über sechs Wochen sind wir so mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, haben viele Gespräche geführt. Ich habe dadurch sehr viel vom Land kennengelernt.“

Politische Situation hat Felix Klare ausgeblendet

Er betont: „Die politische Situation vor Ort haben wir versucht auszublenden. Manche Szenen konnten wir nicht im Iran drehen, immer wenn es um Liebesszenen oder Frauen ohne Kopftuch ging. Oder eine Szene, in der meine Partnerin in den See springt.

Die mussten wir in Deutschland nachdrehen, wir durften keine nackte Haut zeigen, sonst hätten wir gegen das Gesetz verstoßen. Das mussten wir tolerieren. Die Stellung der Frau ist natürlich mit deutschen Maßstäben nicht vergleichbar. Das hat mich auch beschäftigt. Die jungen Leute dort haben an westlichen Tendenzen starkes Interesse – die älteren ticken aber deutlich konservativer.“

Robert (Felix Klare) stößt im Iran auf alte Fotos seines Vaters.

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Foto:

ARD Degeto/Olaf Raymond Benold

Der Dreh dort sei aber auch über die Politik hinaus „wahnsinnig anspruchsvoll“ gewesen, betont Klare. Denn: „Das deutsche und iranische Equipment haben nicht immer funktioniert. Wir haben natürlich auch viel mitgebracht, aber damit konnten die Iraner manchmal nicht ganz so selbstverständlich umgehen. Es gab also viele technische Probleme.

Außerdem waren die Drehorte schwierig. Auf dem Basar in Teheran etwa waren Tausende Menschen unterwegs, als wir dort waren. Da haben die Iraner selbst gesagt: ,Da wurde noch nie ein Film gedreht, wie soll das gehen?‘ Das war wahnsinnig anstrengend. Aber wir hatten anschließend auch tolle Bilder mit Tausenden Komparsen.“

Shirin (Mona Pirzad) zeigt Robert (Felix Klare) die Schönheit ihres Landes.

Foto:

ARD Degeto/Olaf Raymond Benold

Felix Klare sei als Deutscher sehr respektiert worden

Andersherum sei er als Deutscher sehr respektiert worden. „Ich hatte das Gefühl, ich hätte als Deutscher dort eine besondere Stellung. Die deutsche Kultur wird dort geliebt. Die meisten Iraner interessieren sich für uns Deutsche sehr.“

Das sei auch notwendig gewesen: „Ohne die Unterstützung der Einheimischen wäre der Film nicht möglich gewesen. Die Menschen dort hatten eine unheimliche Achtung vor uns.. Die haben sich für uns interessiert. Ich bin mit zwei, drei Leuten aus dem Team bis heute, ein Jahr nach dem Dreh, noch im Kontakt. Ich würde definitiv auch wieder dort drehen, es spricht für mich nichts dagegen.“

Felix Klare spielt den verklemmten Spießer

Zumindest, wenn es nicht allzu politisch wird. Sein ARD-Film dreht sich schließlich um einen deutschen Spießer, der im Iran die Liebe findet. „Wir wollten keinen kritischen Film über den Iran drehen“, betont Klare.

„Das wäre so offen auch nicht möglich gewesen. Unser Ziel war, das Land zu zeigen und Vorurteile abzubauen. Das ist mindestens so beeindruckend wie die Pyramiden in Ägypten oder die Wolkenkratzer in New York. Das muss man mal gesehen haben.“

Sein Fazit: „Es hat mir Spaß gemacht, so einen verklemmten Spießer zu spielen, den diese ,persische Perle‘ völlig umdreht. Das bin ich ja nicht und so jemanden spiele ich auch selten. Außerdem bin ich dankbar, mich neben dem ,Tatort' auch anders zeigen zu können. Das versuche ich seit dem ersten ,Tatort‘, ich möchte mich breit aufstellen. Ich bin nicht ,Tatort-Kommissar‘ von Beruf, sondern Schauspieler. Und das klappt auch gut. Ich habe immer meine zwei bis drei anderen Filme im Jahr, ganz unabhängig vom ,Tatort‘.“

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