Niederlande Venedig des Nordens

Nw

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05 May 2019 22:42

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Ein ganz zarter Dunst erfüllt die Luft am frühen Morgen. Die Luft ist klar, frisch und lädt zu einem herrlichen Urlaubstag im Freien ein. Auch die Stockenten packt schon früh das Wanderfieber und die Neugier. Mit kräftigen Paddelschlägen schwimmen sie he-
ran zur Terrasse vor dem idyllischen Ferienhäuschen in Holzbauweise, das mit seinem roten Anstrich anmutet wie ein Schwedenhaus. Und natürlich fällt für die gefiederten Freunde, die sich mittlerweile auf der Terrasse positioniert haben, der eine oder andere Brotkrümel ab. Ansonsten ist es ruhig auf der Ferienanlage De Kluft, die eingebettet ist in eine Landschaft aus Kanälen und Seen inmitten des Nationalparks Weerribben-Wieden in der niederländischen Provinz Overijssel. Der Fußweg vom Häuschen ins Restaurant, wo es das Frühstück gibt, wird begleitet vom Geschnatter der Wildgänse und den Rufen zahlreicher weiterer Arten von Wasservögeln. Die Natur ist in den folgenden Tagen ständiger Begleiter und auf vielfältige Weise erlebbar. Unbedingt zu empfehlen ist eine Fahrt mit dem Elektroboot, das direkt auf der Anlage gemietet werden kann. Wenige Tipps zur Einweisung reichen auch für ungeübte Bootsführer aus, um das Wassergefährt sicher durch die zahlreichen kleinen und größeren Kanäle zu steuern. Der Außenbord-Elektromotor des Stahlbootes ist kaum zu hören, so gleitet man fast lautlos durch die wunderschöne Wasserlandschaft. Entlang der romantischen Kulisse von hübschen Häuschen mit akkurat bepflanzten Vorgärten an den Ufern. Hier und da sind Arbeiter damit beschäftigt, ein Dach mit Reet neu zu decken. Wenige Meter weiter ist zu sehen, wo das Material hierfür gewonnen wird. Landwirte sind emsig dabei, die Schilfpflanzen zu ernten und zu Garben zusammenzubinden. Diese werden in Stapeln fein säuberlich aufgeschichtet, um später abtransportiert zu werden. Reiher ziehen ihre Bahn über den Kanälen, ein Hinweis darauf, dass es gute Fischbestände in den Gewässern geben muss. Es duftet nach feuchtem Gras. Dieses wissen auch die Schafe als Futter zu schätzen, die hier und da friedlich auf den Wiesen grasen. Die Sonne taucht die Szenerie in ein weiches Licht. Urlaubsgefühle pur. Entschleunigung kann so einfach sein. Das Ganze ohne einen Blick auf das im sonstigen Alltag so präsente Smartphone. Das Navigieren per Boot durch die zahlreichen schmaleren und breiteren Kanäle ist sehr einfach. Die zur Verfügung gestellte Karte gibt beste Orientierung. Die möglichen Routen sind in verschiedenen Farben eingezeichnet. An den Kreuzungen oder Einmündungen der Wasserwege sind Zahlen angebracht, die man auf Schildern auch am Uferrand leicht wiederfindet. Sich zu verfahren, ist fast unmöglich. Doch Achtung: Die Brückchen über den kleinen Seitenkanälen, die von Radlern und Fußgängern überquert werden können, sind sehr niedrig. Da heißt es: Die Köpfe einziehen und auch mit dem kleinen Boot vorsichtig heranfahren, um eine Kollision zu vermeiden. Nach so viel frischer Luft ist der Hunger am Abend entsprechend. Gemütlich lässt es sich selbst im Ferienhaus kochen, im Restaurant der Ferienanlage speisen oder auch für ein gemütliches Abendessen in den benachbarten Ort Ossenzijl gehen. Dort gibt es urige Gaststätten direkt am Kanal, die leckere Speisen und Getränke in familiärer Atmosphäre anbieten. Bei gutem Wetter kann man draußen sitzen und den Schiffsverkehr auf der schmalen Wasserstraße sowie den Radverkehr beobachten, der auf einem gut ausgebauten Weg am Kanal entlang führt. Das ist auch für Familien mit Kindern ein echtes Erlebnis! Die bestens ausgebauten Radwege laden tags darauf zu einer eigenen Ausfahrt ein. Die Hollandräder der Marke Gazelle mit Sieben-Gang-Schaltung, die man auf der Ferienanlage mieten kann, sind super bequem. Die aufrechte Sitzhaltung ermöglicht es, den Blick über die flache Landschaft schweifen zu lassen. Immer wieder sind kleine hölzerne Mühlen zu sehen, die dafür sorgen, dass der Wasserstand nicht zu hoch steigt und das Gelände überflutet wird. Reizvoll ist der kleine Ort Kalenberg, der am gleichnamigen Kanal liegt. Es gibt dort einladende Cafés, schmucke Hotels und stilvolle Pensionen, die zum Verweilen und Urlauben einladen. Eine Motoryacht nähert sich langsam der Klappbrücke, die den Kalenberger Kanal im Ortskern überspannt. Der Brückenwärter öffnet das Bauwerk, postiert sich am Fenster und lässt einen Holzschuh an einem Bindfaden herab. In langsamer Fahrt gleitet die Jacht vorbei; die Bootseigner werfen die Brückenmaut in den Schuh. Die Fahrt geht weiter. Entspannt geht die Tour mit dem Rad entlang des Kanals wieder zurück in den Ferienpark De Kluft. Für deutsche Augen etwas ungewohnt, im Vorbeifahren aber höchst interessant: In fast keinem Fenster hängen Gardinen. So kann man nebenbei in die meistens sehr stylish eingerichteten Häuser schauen. Hier und da trinkt am Esstisch jemand Tee, liest die Zeitung oder sitzt auf der Terrasse. Es scheint, als habe die Ruhe der Natur auch Einfluss auf den Lebensrhythmus in der Region Overijssel. Die Entspanntheit der Menschen überträgt sich auf den Erholungsfaktor. Wer etwas unternehmen will, für den bietet sich ein Ausflug nach Giethoorn an, ein Ort, den die Niederländer das „Venedig des Nordens" nennen und in ihrer Landessprache Chiethorn aussprechen. Nach nicht einmal einer halben Stunde Fahrt mit dem Auto taucht man ein in die Szenerie eines Ortes, der jedes Klischee von holländischer Romantik bedient. Putzige Häuschen in Friesenromantik liegen an schmalen Kanälen. Das Ortszentrum bietet eine kleine Kirche und ein Museum. Letzteres ist unbedingt einen Besuch wert. In einem Schwarz-weiß-Video taucht man ein in die Welt der 1920er und 1930er Jahre, als das Leben noch von Armut geprägt war. Schilfpflanzen, Milchkannen, Kühe – ja, und auch Särge mit Toten wurden per Boot transportiert. Diese durchqueren auch heute noch den Ort, der jetzt aber herausgeputzt ist und von Gästen aus aller Welt besucht wird. Die Erkundung per Boot lässt sich kaum jemand entgehen. Denn Wasserspiele und Romantik – das zieht!

ORIGINAL POST

nw kultur added by Jaden Lucero

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