„Midway“

Echo-online

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07 November 2019 13:00

Bordschütze Bruno Gaido (Nick Jonas) nimmt japanische Jagdbomber ins Visier. Szene aus „Midway“. (Foto: Universum)

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Roland Emmerichs heimlicher Held in diesem Kriegsfilm ist kein Admiral, kein Pilot oder Bordschütze. Es ist der legendäre Westernregisseur John Ford, der 1942 auf der Pazifikinsel Midway einen kurzen Propagandafilm drehte, der mit einem Dokumentarfilm-Oscar ausgezeichnet wurde. Emmerich feiert den Kollegen als Verteidiger der Wahrheit, der mit der Kamera draufhält, als die japanischen Tiefflieger kommen. Hurra, das Kino geht auch unter Beschuss nicht in Deckung!
Roland Emmerich selbst hat sein Schlachtengemälde „Midway“ zu großen Teilen am Rechner entworfen. Vorbei die Zeiten, da solche Filme mit Museumsmaschinen gedreht wurden. Heute fliegt die Kamera wendiger noch als jeder Jagdbomber zwischen sinkenden Schiffen hindurch und im Sturzflug durch das grafische Netz der Leuchtspurmunition. Sieht aus wie ein sehr gut gemachtes Videospiel, die Materialität des Kinos aber fehlt. Nach dem gefühlt dreißigsten Vertikalduell Stuka gegen Flak wird man als Zuschauer doch sehr kriegsmüde. Wobei pazifistische Ermattung sicher nicht im Sinne des Regisseurs lag.
Der Zweite Weltkrieg ist ja das letzte Ereignis der amerikanischen Selbstvergewisserung als wehrhafte Nation, die unbestreitbar auf der richtigen Seite der Geschichte steht. Zunächst hatte Präsident Franklin D. Roosevelt seine Streitkräfte aus den Kämpfen herausgehalten. Erst der japanische Angriff auf die pazifische Marinebasis Pearl Harbor am 7. Dezember führte dazu, dass die USA ihre Neutralität aufgaben. Bereits im Juni 1942 brachte die Schlacht um das Midway-Archipel die strategische Wende zugunsten der zuvor stark dezimierten US-Marine.
DUELL DER FLUGZEUGTRÄGER
Bei der Schlacht um Midway vom 4. bis 7. Juni 1942 griffen die Japaner mit vier Flugzeuträgern und 300 Maschinen die US-Streitkräfte auf dem Midway-Atoll an – dem am weitesten westlich gelegenen Stützpunkt der Amerikaner. Da der japanische Code zum Teil entschlüsselt war, ließen sich Ort und Zeitpunkt der Attacke vorhersehen.

Die US-Navy zog drei Flugzeugträger zusammen. Nach verlustreichen Angriffen gelang es binnen sechs Minuten, drei japanische Flugzeugträger zu versenken. Die US-Marine verlor lediglich einen Träger. (sb)
Der Exil-Schwabe Emmerich, der schon in „Independence Day“ (1996) und „White House Down“ (2013) mit Action Schneisen des Patriotismus durch die Filmlandschaft geschlagen hat, steht auch nun wieder stramm und salutiert vor den Helden der Historie. Dabei spannt er über 132 Minuten erzählerisch einen weiten Bogen. Der Prolog setzt bereits 1937, ein erster Akt zeigt den Angriff auf Pearl Harbor als Inferno unter Palmen. Ein Zwischenkapitel behandelt die Bombardierung von Tokio im April 1942. Die eigentliche Flugzeugträgerschlacht um Midway beginnt erst, wenn bei anderen Spielfilmen schon der Abspann läuft.
Episodisch reiht Emmerich Manöver an Manöver, Angriff auf Angriff, was keinen Raum für großes Pathos oder Sentimentalität lässt, die Michael Bays Dreistünder „Pearl Harbor“ einst heroisch verklebten. Emmerich ehrt seine Helden vergleichsweise protokollarisch. Ed Skrein spielt den draufgängerischen Überflieger Dick Best, der – befördert zum Geschwaderkommandanten – von der Verantwortung schier zu Boden gedrückt wird. Aaron Eckhardt ist der legendäre Commander Doolittle, der Tokio bombardierte und dann mangels Treibstoff vor China notlanden musste. Patrick Wilson verkörpert den Nachrichtenoffizier Edwin Layton, der die japanischen Pläne durchschaut, dessen Warnungen aber lange überhört werden. Woody Harrelson ist als Admiral Nimitz ein kantiger Bürokrieger, der auf seine Jungs vertraut. Dennis Quaid knurrt und rasselt als Admiral Halsey, den sein juckender Ausschlag fast noch mehr peinigt als die Japaner, denen der Film recht respektvoll begegnet.
Das ist kein übles Ensemble. An das All-Star-Team des Kriegsfilms „Schlacht um Midway“ von 1976 mit Henry Fonda, Charlton Heston, James Coburn, Robert Mitchum, Glenn Ford und Toshiro Minfune reicht es aber nicht annähernd heran. Vor allem aber liefert Roland Emmerich keine Erklärung, warum er sich heute überhaupt wieder dieser Schlacht zuwendet.
Der Eintritt der USA in den Krieg unter Roosevelt markiert ja auch Amerikas Hinwendung zu jener multilateralen Verantwortung, die Donald Trump aufgekündigt hat. Dazu hier aber kein Hinweis. Dieses große Schiffeversenken hat den politischen Horizont eines U-Boots auf Seerohrtiefe. Man sieht immer nur bis zum nächsten Flugzeugträger.
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echo-online entertainment added by Curtis Morrison

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