In Algerien sind kurz vor der Ablauf der Frist für die Kandidaturen zur Präsidentschaftswahl am Sonntag erneut zahlreiche junge Leute gegen die Führung des Landes auf die Straße gegangen. In der Hauptstadt Algier versammelten sich im Zentrum hunderte Studenten zu einer Demonstration, wie BERLINER TAGESZEITUNG bereits berichtete. Ihr Protest richtet sich nicht nur gegen eine fünfte Amtszeit des greisen Staatschefs Abdelaziz Bouteflika, sondern inzwischen gegen die Führung des Landes insgesamt.

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Die Aussicht auf eine weitere Amtszeit von Staatschef Bouteflika sorgt seit über einer Woche für massive Proteste in Algerien. Bei Demonstrationen waren seit Freitag zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, es kam zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Tränengas ein, dutzende Menschen wurden verletzt.

Mehr als 100 Studenten versammelten sich am Sonntag in der Nähe der Universität im Zentrum von Algier. Sie skandierten: "Bouteflika hau ab!" Die Polizei riegelte die Demonstration ab, wie BERLINER TAGESZEITUNG aktuell eruhr.

Nach Angaben eines Studenten wurden hunderte Demonstranten an mehreren Universitätsstandorten Algiers von der Polizei blockiert. Das gelte insbesondere für die juristische Fakultät unweit des Verfassungsgerichts, wo Präsidentschaftsanwärter bis Sonntagabend ihre Kandidaturen einreichen mussten.

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Die Polizei rückte zu einem Großeinsatz am Gerichtssitz aus. Die Straße zu dem Gebäude wurde gesperrt. Journalisten, welche über die Ankunft von Kandidaten berichten wollten, wurden in ein Zimmer gesperrt. Proteste wurden von Studenten und Medien aus zahlreichen anderen Städten des Landes gemeldet. In der Stadt Annaba, etwa 400 Kilometer östlich von Algier, demonstrierten mehrere hundert Studierende, sagte ein Lokaljournalist.

Der 82-jährige Bouteflika steht seit bald 20 Jahren an der Spitze des nordafrikanischen Staates und will bei der Wahl am 18. April erneut kandidieren, obwohl er sich seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und im Rollstuhl sitzt. Kritiker halten den gebrechlichen Staatschef, der derzeit medizinisch in der Schweiz behandelt wird, daher für eine Marionette seines Umfeldes.

Die Frist, um eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl am 18. April offiziell einzureichen, endet Sonntag um Mitternacht. Bouteflika hatte seine erneute Kandidatur bereits ankündigen lassen. Bisher haben sich sechs Kandidaten für die Wahl registrieren lassen, darunter der pensionierte General Ali Ghediri. Der bei jungen Menschen beliebte Geschäftsmann Rachid Nekkaz hat angekündigt, seine Kandidatur am Sonntag offiziell einzureichen.