FRANKFURT.Die Konflikte zwischen USA und China und zwischen Japan und Südkorea eskalieren. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sind bedenklich.

Die Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China hat die Sorgen in Wirtschaft und an den Finanzmärkten wachsen lassen. Der amerikanische Präsident Donald Trump will von September an Sonderzölle von zunächst zehn Prozent auf bisher davon verschonte chinesische Waren im Volumen von 300 Milliarden Dollar verhängen. China drohte umgehend mit Gegenmaßnahmen. Das sei „besorgniserregend“, meint der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), Trump heize nach Abbruch der jüngsten Handelsgespräche den Konflikt an. Der BDI fürchtet nun Auswirkungen nicht nur auf die beiden Länder, sondern etwa auch auf die deutsche Industrie und die gesamte Weltwirtschaft. Zu Recht, meint Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. So werde eine nachhaltige Verunsicherung über die Zukunft des Welthandelssystems hervorgerufen. „Die verleitet die Unternehmen jetzt schon, weniger zu investieren in all diese globalen Aktivitäten.“ Das wirke sich auch in der Binnenwirtschaft der jeweiligen Volkswirtschaften aus. Deutschland als Industrienation, aber auch Italien sind davon etwa besonders betroffen. Einzelne Industrieunternehmen reagieren schon mit Stellenstreichungen und schrauben ihre Gewinnerwartungen herab.

China zeigte sich entschlossen, einen Handelskrieg, den man eigentlich nicht wolle, auszufechten, sollte es dazu kommen, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. China verfolge nun eine andere Strategie, glaubt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland. Denn Trump stehe allmählich unter Zeitdruck. Die Präsidentschaftswahlen im Herbst kommenden Jahres rücken näher, und um die Chancen seiner Wiederwahl zu erhöhen, möchte der amerikanische Präsident gern Erfolge im Handelskonflikt vorweisen. Deshalb dürfte China weiter auf Zeit spielen, glaubt Brzeski. Denn die neuen Zölle will Trump nun auf Konsumgüter aus China wie Handys, Laptops, Spielzeug oder Schuhe erhoben. Hatten bisher die Chinesen unter den Zöllen leiden müssen, würden nun auch die amerikanischen Verbraucher die Zeche zahlen und entsprechend negative Folgen für die amerikanische Konjunktur haben.

Dann dürfte auch der Druck Trumps auf die unabhängige Notenbank Fed steigen, die Zinsen noch weiter zu senken. Die hatte ja erst am Mittwoch den Leitzins um 25 Basispunkte heruntergebracht. Sollte die Konjunktur nun wegen der Handelskonflikte stärker in Mitleidenschaft gezogen werden, dann ist sie jedoch verpflichtet zu handeln, denn sie soll für Konjunkturstabilität sorgen. Auch in Europa wächst nun die Sorge, dass die USA bald ihre Drohung von höheren Zöllen auf Autos wahrmachen könnte.

Auf welch wackligen Füßen die Welthandelsordnung steht, zeigt auch der Konflikt zwischen Japan und Südkorea. Südkorea fordert von Japan Entschädigungen für seine Zwangsarbeiter aus der Zeit der japanischen Kolonialzeit. Japan reagierte gestern, indem es Südkorea Handelsvergünstigungen strich. Ab dem 28. August werden durch die Streichung Südkoreas von der sogenannten Weißen Liste bevorzugter Handelspartner Dutzende weitere Produkte schärfer kontrolliert, die potenziell auch für die Produktion von Waffen verwendet werden können. Mehr als 200 Güter erfordern bereits eine strenge Inspektion, bevor sie von Japan aus in irgendein anderes Land exportiert werden. Durch die Kontrollen werden Lieferungen zwar nicht verhindert, aber verlangsamt, da die Genehmigungen bis zu 90 Tage brauchen könnten.

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Unter anderem kündigte die Regierung in Seoul an, nun ihrerseits Japan von ihrer Weißen Liste streichen zu wollen. Außerdem erwäge man ein Abkommen zum Austausch von Geheimdienstinformationen durch das Militär zu beenden, das im August zur Verlängerung ansteht, hieß es aus Seoul. Der japanische Botschafter wurde ins Außenministerium einbestellt.

Der japanische Außenminister Taro Kono und seine südkoreanische Amtskollegin Kang Kyung Wha kamen am Rande des Asean-Gipfels in Bangkok zu einem Gespräch mit US-Außenminister Mike Pompeo zusammen. Nach einer halben Stunde traten sie vor die Kameras, ohne eine Wort zu sagen oder sich die Hände zu schütteln.

Die Börse reagierte deutlich auf die neuerliche Unsicherheit: Der Dax verlor zeitweise drei Prozent. Der Euro legte jedoch gegenüber Donnerstag auf 1,11 Dollar zu.