Emotionaler Abschied: Trainer Gislason und Jacobsen gehen

Rheinpfalz

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05 Juni 2019 08:03

Dienstag, 04. Juni 2019 Drucken

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Handball-Bundesliga

Emotionaler Abschied: Trainer Gislason und Jacobsen gehen

Der Isländer Alfred Gislason möchte sich am liebsten mit dem Meistertitel für den THW Kiel verabschieden. Foto: Axel Heimken

Hatte bei den Rhein-Neckar Löwen einen emotionalen Abschied. Nikolaj Jacobsen zieht es in die Heimat zu seiner Familie. Foto: Uwe Anspach

Alfred Gislason und Nikolaj Jacobsen verabschieden sich nach dem letzten Spieltag aus der Handball-Bundesliga. Die beiden Erfolgstrainer haben tiefe Spuren hinterlassen.

Kiel/Mannheim (dpa) - Alfred Gislason zieht es in den häuslichen Garten zu seinen Rosen, Nikolaj Jacobsen in die Heimat zu seiner Familie. Im 59 Jahre alten Isländer und dem 47-jährigen Weltmeistercoach aus Dänemark verliert die Handball-Bundesliga am Saisonende zwei schillernde Trainerfiguren.

«Sie haben die Liga geprägt, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem Schluss ist», sagte Deutschlands Handball-Legende Heiner Brand der Deutschen Presse-Agentur. «Bei beiden ist sicher etwas Wehmut dabei, aber auch Vorfreude auf ruhigere Zeiten.»

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Während Jacobsen schon in der Vorwoche beim letzten Heimspiel seiner Rhein-Neckar Löwen einen emotionalen Abschied erlebte, möchte sich Gislason nach elf Erfolgsjahren beim THW Kiel am liebsten am 9. Juni mit dem Meistertitel in den sportlichen Ruhestand verabschieden. «Es war eine wundervolle Zeit und eine große Ehre, diesen Verein zu trainieren», sagte er vor seinem letzten Bundesligaspiel.

22 Jahre lang hat Gislason in der Bundesliga gearbeitet, fünf Mal wurde er zum Trainer des Jahres gekürt. 1997 kam der Rotwein-Liebhaber aus Island zum VfL Hameln, zwei Jahre später wechselte er zum SC Magdeburg. Dort nahm seine Erfolgskarriere richtig Schwung auf: 2001 gewann er mit dem Traditionsverein aus Sachsen-Anhalt erstmals die deutsche Meisterschaft und den EHF-Pokal. Ein Jahr später folgte der Champions-League-Triumph. Noch heute wohnt der Vater von zwei Söhnen und einer Tochter mit Ehefrau Kara um die Ecke in dem kleinen Dorf Wendgräben - und will auch dort bleiben.

Einem zweijährigen Intermezzo beim VfL Gummersbach (2006-2008) folgte der Wechsel zum THW Kiel, mit dem er 20 Titel gewann: jeweils sechsmal die Meisterschaft und den DHB-Pokal, viermal den Supercup, zweimal die Champions League sowie je einmal den EHF-Pokal und die Club-WM. «Er hat da Akzente gesetzt», würdigte Brand den Isländer. «Der Meistertitel wäre ein glanzvoller Abschied für ihn.»

Auch wenn das Feuer längst nicht erloschen ist - an der Seitenlinie brodelt der Isländer oft immer noch wie ein Vulkan -, hat sich Gislason bewusst für den Rückzug entschieden. «Ich werde dieses Jahr 60. Es ist Zeit, an eine neue Trainergeneration zu übergeben, bevor ich wie der Opa von allen dort rumstehe», sagte er. Filip Jicha soll als sein Nachfolger die Erfolgsära fortsetzen.

Für die Zukunft hat Gislason noch keine konkreten Pläne. Nur eines ist klar: Der Historiker will Abstand vom Handball, der sein ganzes Leben bestimmte. «Ich werde versuchen, die Zeit ohne den Drei-Tage-Rhythmus und acht Stunden beim Videostudium zu genießen», sagte Gislason.

Wie lange er das durchhält, weiß der frühere Rückraumspieler selbst nicht. «Ich würde es gerne schaffen, bis ins neue Jahr eine Pause zu machen», sagte der leidenschaftliche Rosenzüchter. Danach könne er sich ein neues Engagement vorstellen - allerdings nicht mehr in der Bundesliga. Es sei naheliegend, so Gislason, sich dann «mit einer Nationalmannschaft zu beschäftigen».

So wie es Jacobsen tut, der nach fünf Jahren bei den Rhein-Neckar Löwen aufhört und sich künftig neben Ehefrau Lenette und seinen drei Kindern nur noch der dänischen Auswahl widmet. «Es ist einfach alles zu viel geworden. Ich habe lange Zeit nicht gut geschlafen», begründete Jacobsen den Teil-Rückzug aus seiner Doppelfunktion.

Mit den Löwen gewann er seit der Amtsübernahme im Sommer 2014 zweimal die deutsche Meisterschaft, einmal den DHB-Pokal und dreimal den Supercup. Sein Weggang hinterlässt eine Lücke, die Kristjan Andresson schließen soll. Er tritt ein schweres Erbe an. «Nikolaj hat der Mannschaft eine unglaubliche Siegermentalität eingehaucht», sagte der Sportliche Leiter Oliver Roggisch über die Arbeit des Dänen. Und Geschäftsführerin Jennifer Kettemann schwärmte: «Nikolaj hat nicht nur die Mannschaft, sondern den ganzen Verein auf ein anderes Level gehoben.»

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